WDR-Europamagazin 14.10.2018 "friedliche Demonstrationen in Syrien"

Sehr geehrte Damen und Herren des WDR-Rundfunkrates,
 
ich erhebe Programmbeschwerde gegen folgenden Beitrag:
 
14.10.2018
 
"Europäische Überwachungssoftware für Syrien"
 
 
In diesem Beitrag geht es um die Überwachung der syrischen Regierung von Regierungsgegnern, auch durch deutsche Software.
Gleich zu Beginn des Beitrages wird erzählt, dass die syrische Polizei friedliche Demonstrationen brutal
niedergeschlagen hätte und mit aller Gewalt gegen Regierungsgegner vorgegangen wäre.
Untermalt wird dies mit Bildern von friedlichen Demonstrationen und verletzten Demonstranten.
Erneut soll mit Bildern und Sprache insinuiert werden, Anfang 2011 würde sich das syrische Volk mit landesweiten friedlichen
Massendemontrationen gegen einen "brutalen Diktator" (Präsident Baschar al Assad) zu Wehr setzen, für Freiheit und Demokratie.
Doch das ist falsch. Es war der Beginn einer Verschwörung, vom Ausland aus gesteuert und seit vielen Jahren schon geplant,
(US-General Wesley Clark - 5 Länder in 7 Jahren)
um die syrische Regierung und Präsident Assad zu stürzen, weil er sich den ausländischen Interessen nicht unterordnen wollte.
 
Aus dem Beitrag bei Min. 0:23
 
"Syrien Anfang 2011. Zaghafte Proteste, die sich ausweiten, Hoffnung keimt auf. Hoffnung auf Freiheit. Ein Ende der weitverhassten
Assad-Diktatur scheint auf einmal möglich."
(...)
 
Min 1.00
 
"Bald spitzt sich die Lage zu. Das Regime schlägt zurück."
(...)
 
Im Bild zu sehen sind verletzte Demonstranten. Schüsse sind zu hören.
Die Wahrheit beginnt jedoch vor dieser Szene und wird in diesem Beitrag bewusst weggelassen.
Die Wahrheit ist nämlich, dass bevor die Sicherheitskräfte das Feuer eröffneten, bereits aus den Reihen der Demonstranten
heraus Polizisten und Sicherheitskräfte von Bewaffneten erschossen wurden.
 
 
Das berichten unter anderem Augenzeugen und es gibt auch Bildmaterial davon, dass aber in dem von mir kritisierten Beitrag
selbstverständlich nicht veröffentlicht wird.
 
Ein Augenzeuge ist Steven Sahiounie, geboren im kalifornischen Fresno und aufgewachsen in Latakia in Syrien, dem Geburtsort seines Vaters. Dort besuchte er in 12 Jahren sowohl die staatliche als auch eine private Schule, erwarb ein American High School – Diplom des US-Staates Maine und legte ein Examen an der AMIDEAST in der libanesischen Hauptstadt Beirut ab. Heute arbeitet er an der Libanesischen Universität. Als 2011 der Krieg in Syrien ausbrach, begann er, dazu politische Analysen und Kommentare zu verfassen.
Er berichtet darüber, als im März 2011 in Daara, direkt an der jordanischen Grenze, demonstriert wurde. Das war das die Gelegenheit für die schon lange lauernde CIA, auf kürzestem Wege Waffen aus Jordanien dorthin zu bringen. In Daara waren zu diesem Zeitpunkt bereits ausländische Söldner, die schon warteten und wussten, dass sie in Kürze Waffen aus Jordanien erhalten werden, die die CIA aus Libyen herbeigeschafft hatte.
Vor Beginn der Proteste wurden diese Waffen in Moscheen gelagert.
 
"Daraa am Tag zuvor - wie der Westen den Krieg nach Syrien brachte"
 
 
"Der Tag vor dem 11.September 2001 war wie jeder andere normale Tag in New York City. Der 10.September 2001 ließ nichts von dem welterschütternden Ereignis ahnen, welches sich am Folgetag ereignen sollte.Vergleichbar jenem, mochte jeder denken, war der Tag vor dem Ausbruch der Gewalt in Daraa, Syrien, im März 2011 ein ereignisarmer Tag gewesen, nichts ahnend lassend über den bevorstehenden Beginn des Aufstandes. Nur war dem nicht so. Daraa wimmelte sehr wohl von Aktivitäten und ausländischen Syrien-Besuchern, bevor der stufenweise Aufstand seinen Eröffnungsakt einleitete.

Die Omari-Moschee war der Schauplatz für die Vorbereitungen im Hintergrund, Kostümwechsel und Theaterproben. Die libyschen Terroristen, frisch vom Schlachtfeld des [zu diesem Zeitpunkt angelaufenen] US-NATO-geführten Regimechanges in Libyen gekommen, waren bereits vor dem Gewaltausbruch im März 2011 in Daraa.(...)

Die Besucher aus Libyen vermieden es, sich als Fremde gegenüber dem Geistlichen durch ihre Stimme erkenntlich zu geben. Stattdessen arbeiteten sie mit Einheimischen zusammen; wenigen Schlüsselspielern, die sie zu ihren Partnern und Vertrauten gemacht hatten. Die Teilnahme von lokalen Anhängern der Muslimbruderschaft, welche die fremden libyschen Söldner/Terroristen untersützen würden, war ein essenzieller Teil des von Jordanien aus dirigierten CIA-Planes.

Die Anwerbung und Kooperation mit einheimischen Anhängern des Salafismus erlaubte den Libyern, sich in Daraa ohne jeden Verdacht zu bewegen. Die einheimischen [Kollaborateure] waren die Speerspitze der Operation.

Die CIA-Agenten, von deren Quartier in Jordanien aus die Daraa-Operation gesteuert wurde, hatten bereits Waffen und Bargeld geliefert, welches zum Entfachen der „Flammen der Revolution“ in Syrien benötigt wurde. Mit genug Geld und Waffen kann man jederzeit und überall in der Welt eine Revolution auslösen.(...)

Die US-Politik, Syrien anzugreifen, um dessen Regierung zu stürzen, beruhte nicht nur auf den Gasleitungen, den Ölquellen, der strategischen Lage und dem Gold, sondern es ging auch um dessen Zerschlagung als eines Vertreters der palästinensischen Rechte. Präsident Bashar al-Assad loszuwerden, hieß, einen der wenigen arabischen Führer mit unerschütterlicher Stimme für die palästinensischen Rechte loszuwerden.

Die Waffen wurden durch die Vereinigten Staaten von Amerika aus ihrem Lager an den Docks von Benghazi, Libyen, geliefert. Die US-NATO Regime-Change Mission war in Libyen mit einem vollen Erfolg abgeschlossen worden, mit Inbesitznahme aller Waffen und Lagerbestände, dem früheren Vermögen der libyschen Regierung, einschließlich Tonnen von Gold, welche die US-Regierung von der libyschen Zentralbank übernahm."

Auch der australische Professor Dr. Tim Anderson schreibt in seinem Buch: "Der schmutzige Krieg gegen Syrien", dass bewaffnete Demonstranten zuerst Sicherheitskräfte erschossen, bevor diese zurückschossen.

"Die populären Mythen dieses schmutzigen Krieges - dass es ein "Bürgerkrieg" ist, "Massendemonstrationen", oder ein "interreligiöser Konflikt - verschweigen, dass es eine mörderische Gewaltorgie für einen Regimechange in dieser Region ist. Der Angriff auf Syrien ist eine notwendige Konsequenz für Washingtons Ambitionen, die 2006 bekannt wurden, einen "neuen mittleren Osten" zu kreieren. Nach der Zerstörung Afghanistans, des Iraks und Libyens, ist jetzt Syrien an der Reihe."

Die freie Journalistin Eva Bartlett berichtet ebenso:

"Jetzt wissen wir, dass von Beginn an, in Daraa und in ganz Syrien bewaffnete Protestler Sicherheitskräfte und Zivilisten erschossen und massakrierten. Tim Andersons Beitrag: "Syrien - Wie die Gewalt in Daraa begann" schildert, dass Polizisten von Scharfschützen erschossen wurden. (...) Die syrische Armee kam nur nach Daraa, um die Mörder der Polizisten zu verfolgen."

https://21stcenturywire.com/2016/11/06/syrias-peaceful-protests-and-freedom-bullets-testimony-from-the-real-syria-civil-defence/

Der christliche Pater Franz van der Lugt berichtet:

"Von Beginn an waren die Proteste nicht nur friedlich. Von Anfang an sah ich bewaffnete Demonstranten in der Reihen der Protestler, die als Erstes auf die Polizei schoss. Sehr oft war die Gewalt der Sicherheitskräfte eine Reaktion auf die brutale Gewalt der bewaffneten Rebellen."

Im selben Interview sagte Pater Franz, dass das was in Syrien passierte, nicht als "populäre Massenbewegung" beschrieben werden kann, weil der Großteil der Syrer die Opposition nicht unterstützte, und ganz sicher nicht die bewaffneten Gruppen.

Von Augenzeugen wird berichtet, dass sich Anführer von Demonstrationen weigerten, Bewaffnete im Demonstrationszug mitlaufen zu lassen. Diese Anführer wurden dann ermordet. Auch gibt es Berichte, dass die Demonstrationen von Rufen begleitet wurden, die lauteten: "Alawiten ins Grab, Christen in den Libanon" Das war der bekannte Slogan der extremistischen Muslimbruderschaft in Syrien.

Der flämische Pater Daniël Maes (78) ist Augenzeuge des Syrienkriegs. Er gab der belgischen Zeitung Allgemen Dagblad ein Interview:

"Die Vorstellung, dass ein Volksaufstand gegen Präsident Assad stattgefunden hat, ist vollkommen falsch. Ich bin seit 2010 in Qara, und ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Unruhestifter aus dem Ausland Proteste gegen die Regierung organisierten und junge Leute rekrutierten."

"Das wurde gefilmt und bei Al Jazeera ausgestrahlt, um den Eindruck zu vermitteln, dass ein Aufstand stattfindet. Ausländische Terroristen begingen Morde gegen sunnitische und christliche Gemeinden, um im syrischen Volk religiöse und ethnische Konflikte zu schüren. Doch in meiner Erfahrung war das syrische Volk sehr einig."

"Als Tausende Terroristen sich in Qara niederließen, bekamen wir Angst um unsere Leben. Sie kamen aus den Golfstaaten, Saudi-Arabien, Europa, der Türkei, Libyen. Und es gab viele Tschetschenen."

"Sie bildeten eine ausländische Besatzungsmacht und hatten alle Verbindungen zu Al-Qaida und anderen Terroristen. Sie waren bis zu den Zähnen bewaffnet vom Westen und dessen Verbündeten."

"Sie haben wörtlich gesagt: „Dieses Land gehört jetzt uns.“ Oft standen sie unter Drogen, sie bekämpften einander, am Abend schossen sie willkürlich in die Luft. Lange mussten wir die Gruften der Monarchie verbergen." (...)

https://www.ad.nl/nieuws/poetin-en-assad-hebben-mijn-leven-gered~add21ab7/

Diese ethnischen und religiösen Konflikte, die geschürt wurden, gingen von den USA aus. Auf Wikileaks sind die Dokumente veröffentlicht, in denen bereits 2006 der damalige US-Botschafter William Roebuck an das Pentagon und die US-Regierung weitergibt, wie man die syrische Regierung stürzen könnte:

https://wikileaks.org/plusd/cables/06DAMASCUS5399_a.html

Peter Scholl-Latour schreibt in seinem Buch "Der Fluch der bösen Tat" die Begegnung mit einem Offizier der Rebellengruppe „Freie Syrische Armee“, der vordem als Major in der syrischen Armee gedient hatte: „Er (gemeint ist besagter Major) könne jedoch bezeugen, dass der Aufruhr von Daraa nicht ganz spontan ausgebrochen sei. Er selbst wurde bereits ein Jahr zuvor (als er noch bei der Regierungsarmee diente) von jordanischen und getarnten amerikanischen CIA-Agenten kontaktiert. Unter Zusicherung finanzieller Vorteile wollten sie ihn dazu ermutigen, sich einer umstürzlerischen ‘Freien Syrischen Armee’ anzuschließen. Die Strukturen dieser Truppe wären auf jordanischem Boden bereitgestellt. Dank massiver Finanzierung durch Saudi-Arabien und das Emirat Qatar, aber auch unter der Regie der CIA habe die Aufrüstung der Rebellen mit modernem Kriegsgerät stattgefunden.“ Der Major geht übrigens zu diesem Zeitpunkt nicht auf das Angebot ein. Er tritt der FSA erst später bei, als sein Bruder unter der Anklage, Beziehungen zur Muslimbruderschaft zu unterhalten, vom syrischen Geheimdienst verhaftet wird. 

Der US-Senator John McCain, der zugleich als Präsident eines Ablegers des National Endowment for Democracy, einer der Geheimdienste der „fünf Augen“ (USA-UK-Australien-Kanada-Neuseeland) fungiert, befindet sich am 22. Februar 2011 im Libanon. Er vertraut dem, der Hariri-Partei nahestehenden Abgeordneten Okab Sakr den Transport von Waffen nach Syrien an. Er begibt sich auch nach Ersal, um dort eine zukünftige Rückraum-Basis für Dschihadisten zu errichten.

Der ehemalige französische Außenminister Roland Dumas sagte: "Der Krieg gegen Syrien wurde bereits zwei Jahre vor dem “arabischen Frühling” geplant. Ich werde Ihnen etwas sagen. Ich war zwei Jahre vor dem Beginn der Gewaltausbrüche in Syrien wegen anderer Unterredungen in England. Während meines Aufenthaltes dort traf ich mich mit britischen Spitzenbeamten, die mir gegenüber äußerten, dass man sich darauf vorbereite, etwas in Syrien zu unternehmen. “Dies war in Großbritannien und nicht in den USA. Großbritannien bereitete die Organisation einer Invasion von Rebellen in Syrien vor.(...)

http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/81213/frankreich-ehemaliger-aussenminister-dumas-krieg-gegen-syrien-von-langer-hand-geplant/

Fazit:

Ohne die ersten eineinhalb Minuten wäre der 10-minütige Beitrag nicht zu beanstanden. Aber gerade diese ersten 90 Sekunden wiederholen die falsche Geschichte über den Beginn des Syrienkrieges, dass die syrische Regierung friedliche Massendemontrationen blutig niedergeschlagen hätte, indem man friedliche Demonstranten niedergeschossen hätte. Dieses falsche Narrativ wird bei jeder Gelegenheit und mannigfach, gerade auch von der ARD, immer wieder wiederholt, zuletzt ganz massiv, als sich der Beginn des Syrienkrieges zum 7. Mal jährte. Der Medienwissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Teusch hat in seinem Buch "Lückenpresse" erklärt, wie mit Narrativen gearbeitet wird:

"Erstens werden Nachrichten in ganz bestimmter Weise gewichtet. Zweitens werden Nachrichten gezielt unterdrückt. Drittens werden Nachrichten in tendenziöser Weise bewertet, das heisst, es wird mit zweierlei Maß gemessen, es gibt „Doppelstandards“. Alle drei Aspekte hängen eng zusammen und verstärken sich wechselseitig. Wenn sie auf bestimmten Themenfeldern lange genug und mit ausreichender Intensität wirken, entstehen dominante Narrative, also große journalistische Erzählungen oder Deutungsmuster, in die dann alle neu einlaufenden Informationen eingeordnet werden können – oder eben auch nicht, so sie denn nicht ins Narrativ passen“.

Die allermeisten Krieg beginnen mit Lügen: 2. Weltkrieg/Sender Gleiwitz, Vietnamkrieg/Golf von Tonkin, Kubakrise/Schweinebucht, Jugoslawienkrieg/Hufeisenplan, 1. Golfkrieg/Brutkastenlüge, Irakkrieg/Massenvernichtungswaffen, Libyen/Massaker durch Regierungstruppen. Im Syrienkrieg gab es eine mächtige Verschwörung von außen gegen Syrien: Die USA, die Türkei, Saudi-Arabien und Katar, Israel und Europa unterstützten alle den gewaltsamen Versuch, die syrische Regierung und ihren Präsidenten zu stürzen. Bezeichnend ist hierbei die Geschichte der langjährigen Nahost-Korrespondentin Karin Leukefeld. Sie war auch vor Beginn der gewaltsamen Proteste wieder in Syrien. Sie machte bis dahin immer Beiträge für die ARD. Auch diesmal war einer geplant und Karin Leukefeld berichtete, dass Syrien an diesem "arabischen Frühling" 2011 im Gegensatz zu anderen arabischen Ländern wie Tunesien oder Ägypten, größtenteils ruhig blieb und Demonstrationen lokal begrenzt blieben und im Gegenteil, in der Hauptstadt Damaskus sogar Hunderttausende für Assad demonstrierten. Die ARD-Redakteurin sagte daraufhin den Bericht von Leukefeld ab, mit der Begründung, dieser würde nicht in die öffentliche Erzählweise über Syrien passen und man würde dazu lieber eine dpa-Meldung verwenden. Bis heute wird die einzige langzeitakkreditierte und renommierte Syrienkorrespondentin Karin Leukefeld ignoriert und gezwungen auf alternativen Kanälen zu berichten, weil sie die ungeschminkte Wahrheit über Syrien berichtet. Für Gebührenzahler, die sich darauf verlassen, umfassende und wahrheitsgetreue Berichte zu erhalten, ist das ein Schlag ins Gesicht. Es sei noch angemerkt, dass Demonstrationen in Syrien nicht verboten waren und sind und es immer auch friedliche Demos gab und sich Präsident Assad auch bereit erklärte, umfassende Reformen einzuleiten. Das wurde aber nie berichtet. Es passt nicht in das westliche Mediennarrativ, dass in Syrien ein "blutiger Diktator seine eigene Bevölkerung massakriert". 

Pater Daniel Maes nennt die Berichterstattung über Syrien „die größte Medienlüge unserer Zeit“. Leider seien zu viele westliche Journalisten „Mitläufer und Feiglinge“.

Alle von mir angeführten Informationen sind frei öffentlich zugänglich.

Der von mir kritisierte Beitrag verstößt gegen die Wahrheitspflicht:

5 Absatz 4 WDR-Gesetz

https://www1.wdr.de/unternehmen/der-wdr/profil/wdr-gesetz-102.pdf

Bitte bestätigen Sie mir innerhalb der nächsten 7 Tage den Eingang meiner Programmbeschwerde.

Mit freundlichen Grüßen

Bernhard Moser

Sehr geehrter Herr Moser,

 

anbei erhalten Sie die Antwort von Frau Eva-Maria Michel auf Ihr o.g. Schreiben.

Antwort WDR

Mit freundlichen Grüßen

 

Astrid Flammer

 

Westdeutscher Rundfunk

Publikumsstelle
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Telefon +49 (0)221 220 2118

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www.wdr.de


1.1.2019

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
vielen Dank für die Zusendung der Antwort von Frau Michel.
 
Die Stellungnahme der stellvertretenden Intendantin entkräftet nicht, dass am Anfang des von mir kritisierten Filmbeitrages gegen
die Vorschrift der wahrheitsgemäßen Berichterstattung verstoßen wurde. Frau Michel antwortet mir, dass es in dem Filmbeitrag nicht darum gehe,
wer zuerst geschossen habe, oder welches die Ursachen für den Syrienkrieg sind, sondern dass europäische Software für die Überwachung der Regimegegner
in Syrien eingesetzt wird. Sie antwortet mir:" Was genau an den ersten Protesttagen in Syrien geschehen ist, war nicht Inhalt des Berichtes."
 
Das kann nicht stimmen.
Denn warum wurden dann am Anfang des Beitrages genau Szenen gezeigt, dass die Polizei auf angeblich friedliche und unbewaffnete Demonstranten schießt, also genau das,
was an den ersten Protesttagen  in Syrien geschehen ist? Die Sprecherin im Beitrag sagte zu diesen Szenen ja auch: "Anfang 2011 in Syrien". Es war also Inhalt des
Beitrages, weil damit der Westen begründete, dass man die "Rebellen" in Syrien bewaffnen müsste, damit sie sich gegen den "brutalen Diktator Assad" wehren können,
der "sein eigenes Volk erschießen lässt" und somit den "arabischen Frühling" gewaltsam unterdrückt.
Und bei Min. 7:41 des Filmbeitrages werden erneut Demonstrationen dargestellt mit dem Kommentar:
 
"Es gab einen kurzen Hoffnungsschimmer auf Freiheit in Syrien. Das Regime ließ ihn niederknüppeln. (...)"
 
 
Diese Darstellungen sind aber nachweislich falsch, wie ich durch meine zahlreichen Quellen und Augenzeugenberichten von vor Ort aufgezeigt habe.
Die Darstellung, dass Assad auf friedliche Demonstranten schießen ließ wird zwar von den westlichen Mainstreammedien sehr oft behauptet, auch wenn der eigentliche
Bericht ein ganz anderes Thema beinhaltet, wie auch hier. Dieses falsche Narrativ soll den Rezipienten jedesmal auf's Neue klar machen, warum die syrische Regierung um
Präsident Assad gestürzt werden soll. Das Schießen auf friedliche und unbewaffnete Demonstranten wäre eine der größten Abscheulichkeiten, die man sich nur vorstellen
kann und jeder Mensch würde sofort vollkommen zu Recht danach rufen, dass man sofort etwas dagegen machen muss. Dies würde praktisch jedes Mittel rechtfertigen.
Sich gegen brutale Gewalt wehren zu können, ist das Grundlegenste für jeden Menschen. Nur eben war es in Syrien genau so nicht.
 
Frau Michel antwortet mir weiter:
 
"Dementsprechend  hat die Redaktion sich gemeinsam mit den Autorinnen bewusst dafür entschieden, in dem kritisierten Beitrag keine Demonstrationsbilder aus Syrien vom
Beginn der Proteste in Daraa am 18. März 2011 zu verwenden. Die Eingangssequenz
zeigt Demonstranten und das Abreißen eines Baath/Asad-Posters (0:22 — 0:40). In einer zweiten Sequenz sind Verletzte zu sehen, die am Boden liegen und ein Sanitätsbus mit geöffneter Tür; zu hören sind Schüsse (1:01 — 1:20). Die Bilder beziehen sich
jedoch nicht auf einen konkreten Augenblick und entsprechend allgemein wird das gezeigte Bildmaterial datiert: als Archivmaterial mit der eingeblendeten Jahreszahl „2011"
— also aus dem ersten Jahr des Krieges in Syrien.
"
 
Das ist falsch. Anfang 2011, wie im Beitrag explizit gesagt wird, gab es nämlich nur in Daraa gewaltsame Proteste. In anderen Orten, wo ebenfalls protestiert wurde, z. B.
in der Küstenstadt Latakia, aber auch anderswo, waren die Demonstrationen friedlich. Dort ist Präsident Assad dann sofort auch in Dialog mit den Demonstranten
getreten, hat ihnen Reformen zugesagt und diese dann auch veranlasst. Nach Daraa, das direkt an der jordanischen Grenze liegt, wurde vor Beginn der Demonstrationen
Waffen gebracht und bis zu Beginn der Proteste in der Omari-Moschee gelagert. Die Quellen hierzu habe ich in meiner Programmbeschwerde auch angegeben.
 
Weiter antwortet mir Frau Michel:
 
"Es geht an dieser SteIle letztendlich darum, auf das eigentliche Thema des Beitrages
hinzuführen. Die allgemein gehaltene Einordnung zu der Entwicklung des Syrienkonfliktes an dieser SteIle war also legitim und trifft gerade keine konkrete Aussage Ober
die Geschehnisse in Daraa. Bereits deshalb ist die Wahrheitspflicht nach § 5 Absatz 4
WDR-Gesetz nicht verletzt."
 
Es ist eben genau keine "allgemein gehaltene Einordnung", sondern im Gegenteil, ganz speziell die Einlassung, dass syrische Sicherheitskräfte auf angeblich friedliche und
unbewaffnete Demonstranten schießen. Die Sicherheitskräfte haben sich aber nur gewehrt, und das wird in dem Beitrag gezielt unterschlagen, weil es dem offiziellen
Narrativ des Beginns des Syrienkrieges wiedersprechen würde.
 
Frau Michel antwortet mir weiter:
 
"Doch auch  beim Blick auf die von Ihnen angeführten Quellen kann ich keine fundierte
Begründung für die von Ihnen dargelegte Wahrnehmung der Ereignisse erkennen. Als
Beleg für die Behauptung, dass zuerst aus den Reihen der Demonstranten heraus Polizisten und Sicherheitskräfte erschossen wurden, verweisen Sie auf einen Bericht der
„Israel National News". In dem Bericht heißt es jedoch zu den Abläufen der Ausschreitungen in der Stadt Daraa am 18. März 2011, dass die Polizei das Feuer eröffnet habe:"
 
Ich habe eine Vielzahl von Quellen angegeben. Anhand dieser Worte der stellvertretenden Intendantin muss ich dann davon ausgehen, dass sie diese Quellen nicht
zur Kenntnis genommen hat.
 
Hier sind sie nochmals zwei davon, die die Situation Anfang 2011 in Syrien klar beschreiben:
 
"Jetzt wissen wir, dass von Beginn an, in Daraa und in ganz Syrien bewaffnete Protestler Sicherheitskräfte und Zivilisten erschossen und massakrierten. Tim Andersons Beitrag: "Syrien - Wie die Gewalt in Daraa begann" schildert, dass Polizisten von Scharfschützen erschossen wurden. (...) Die syrische Armee kam nur nach Daraa, um die Mörder der Polizisten zu verfolgen."
 
 
Der christliche Pater Franz van der Lugt berichtet:

"Von Beginn an waren die Proteste nicht nur friedlich. Von Anfang an sah ich bewaffnete Demonstranten in der Reihen der Protestler, die als Erstes auf die Polizei schoss. Sehr oft war die Gewalt der Sicherheitskräfte eine Reaktion auf die brutale Gewalt der bewaffneten Rebellen."

https://www.ad.nl/nieuws/poetin-en-assad-hebben-mijn-leven-gered~add21ab7/

Nichts davon wurde im Filmbeitrag dargestellt.

Frau Michel antwortet mir weiter:

"Auch Ihren Vorwurf,  es  werde ein falsches Narrativ  über den  Beginn  des  Syrienkrieges
wiederholt, kann ich  nicht  nachvollziehen.  Es  bleibt Ihnen unbenommen, sich auf
Grundlage  der von  Ihnen ausgewählten Quellen  mit  einer persönlichen Meinung zum
Bürgerkrieg  in  Syrien zu positionieren.  Es  liegt jedoch  in der  Natur  des  politischen Diskurses, dass auf politische Ereignisse — zumal auf konflikthafte Auseinandersetzungen
—  die  verantwortlichen Seiten  mit  unterschiedlichen Schuldzuweisungen reagieren. Zu
dieser Frage hat der  Beitrag jedoch  keine  Aussage getroffen. Wie gesagt diente  die
Anfangssequenz  der  Hinleitung auf das Beitragsthema.  Es ging nicht um die  Aufarbeitung  der Verantwortlichkeiten und Hintergründe für  den  Syrienkrieg."

Erneut: Wenn es so ist, wie Frau Michel hier schreibt, warum wurden dann Am Anfang des Filmsbeitrages die fälschlichen Szenen eingespielt? Und ich gebe nicht meine Meinung wieder, sondern habe in meiner Programmbeschwerde aufgezeigt, dass die filmische Darstellung, mit den Worten der Kommentatorin, "das Regime schießt auf die (friedlichen) Demonstranten" nachweislich falsch ist. Die ersten 90 Sekunden des von mir kritisierten Beitrages haben entgegen der Annahme der stellvertretenden Intendantin sehr wohl eine Schuldzuweisung getroffen, nämlich, dass das "Regime" auf angeblich friedliche und unbewaffnete Demonstranten schießen lässt. Das geschieht wahrscheinlich absichtlich, weil seit nun fast acht Jahren dies immerwährend von der westlichen Mainstrampresse so behauptet wird. Das war der offizielle Beginn des Syrienkrieges, also ein ganz entscheidender Moment, der in seine Folge mindestens 500 000 Todesopfer und Millionen von Vertriebenen und Flüchtlingen gefordert hat.

Und wenn es "jedoch  in der  Natur  des  politischen Diskurses, dass auf politische Ereignisse — zumal auf konflikthafte Auseinandersetzungen
—  die  verantwortlichen Seiten  mit  unterschiedlichen Schuldzuweisungen reagieren."
wie Frau Michel schreibt, dann ist es erst recht falsch, in dem Filmbeitrag nur einseitig Schuld gegen die syrische Regierung zu erheben. Genau das geschieht jedoch.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich außerdem erwähnen, auch in Bezug auf die Antwort von Eva-Maria Michel, dass gerade den öffentlich-rechtlichen Sendern die Aufgabe zukommt, vor jedem Beitrag sorgsam und gründlich zu recherchieren. Gerade zum Syrienkrieg und zu seinen Anfängen ergeben sich permanent eine neue Nachrichtenlage und eine neue, bisher unberücksichtige Quellenlage, die die Gegebenheiten, wie sie Anfang 2011 dargestellt werden, speziell in diesem Film, in einem anderen und neuen Licht erscheinen lassen. Genau das habe ich in meiner Programmbeschwerde aufgezeigt und ich habe dazu ausgiebig recherchiert. Dies sollte aber genau die Aufgabe der Macher des von mir kritisierten Beitrages sein und nicht meine. Ich habe dazu unterschiedlichste Quellen recherchiert und Bücher renommierter Journalisten und Wissenschaftler gelesen und diese auch benannt, auch ein Peter Scholl-Latour ist unter ihnen. So heißt es im Urteil des Bundesverfassungs von 2018:

"Angesichts dieser Entwicklung wächst die Bedeutung der dem beitragsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk obliegenden Aufgabe, durch authentische, sorgfältig recherchierte Informationen, die Fakten und Meinungen auseinanderhalten, die Wirklichkeit nicht verzerrt darzustellen und das Sensationelle nicht in den Vordergrund zu rücken, vielmehr ein vielfaltssicherndes und Orientierungshilfe bietendes Gegengewicht zu bilden."

 
Zusammenfassend möchte ich folgendes feststellen: Die Anfänge des sog. arabischen Frühlings in Syrien, Anfang 2011, sind ganz bedeutend für den Krieg in Syrien und seinen schrecklichen Folgen. Dies gilt heute genau so, wie im Jahr 2011. Das ist auch der Grund, warum der von der von mir kritisierte Beitrag dies am Anfang thematisiert. Das kann man thematisieren, aber es muss dann auf jeden Fall wahrheitsgemäß erfolgen. Dies ist aber nicht erfolgt. Auch die kommerziellen Medien wiederholen immer die Geschichte vom "brutalen Regime, dass den arabischen Frühling gewaltsam unterdrückte."  Das ist jedoch nicht haltbar, wie ich aufgezeigt habe. Für die kommerziellen Medien ist der Pressekodex ein Vorschlag, an dem sich die Journalisten orientieren sollen, für die Journalisten der öffentlich-rechtlichen Medien ist der Rundfunkstaatsvertrag jedoch eine gesetzliche Vorschrift.
Die USA versuchen seit Ende des 2. Weltkrieges die Regierung in Syrien zu stürzen, erstmals 1948/49. Immer durch die CIA.
 
 
 
Bereits vor Beginn des "arabischen Frühlings" in Syrien 2011, der von außen geschürt wurde, hat die CIA islamistische Söldner in Saudi-Arabien und in Jordanien ausgebildet, dann zu den Protesten nach Syrien geschickt, um damit in den Demonstrationen mit Waffengewalt eine Eskalation
der Lage zu erreichen. Die Waffenlieferungen dazu erfolgten ebenfalls durch die CIA. Obwohl es von Beginn an Hinweise dazu gab, wurden diese als "syrische Proaganda" abgetan. Augenzeugenberichte dazu wurden unterdrückt und verschwiegen. Genau die gleiche Situation gab es 2011 auch in Libyen. Dort hieß es, "Diktator Gaddafi" unterdrückt gewaltsam den "arabischen Frühling", in dem er in den Städten angeblich friedliche Demonstranten erschießen ließ, darum müsse die NATO die libysche Armee bombardieren. Die Universität Harvard hat in einer wissenschaftlichen Studie längst nachgewiesen, dass auch das falsch war.
Die ersten eineinhalb Minuten des von mir kritisierten Beitrages sind nicht mit dem WDR-Staatsvertrag in Einklang zu bringen.
 
Bitte prüfen Sie unabhängig meine Programmbeschwerde nach Art 17GG und unterrichten Sie mich über das Ergebnis.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Bernhard Moser

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