Saudi-Arabien therapiert Kindersoldaten im Jemen

22.1.2019

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
ich erhebe Programmbeschwerde gegen folgenden Beitrag vom 20.1.2018
 
ZDF-Korrespondent Uli Gack berichtet aus dem Jemen über Kindersoldaten:
 
"Zum Krieg gezwungen"
 
 
 
Aus dem Beitrag in den Heute-Nachrichten.
 
Anmoderation Petra Gerster:
 
"Schon 4 Jahre lang tobt im Jemen der blutige Bürgerkrieg zwischen Regierung und Huthi-Rebellen. Die Folge: Hunderttausende Menschen leiden,
drohen gar zu verhungern. Wie dramatisch die Lage in dem Land ist, zeigt auch, dass sogar Kinder zum Kämpfen gewungen werden.
Einige von Ihnen hat unser Reporter Uli Gack in einem Flüchtlingslager getroffen, nahe der Stadt Marib."
 
Der Filmbeitrag beginnt mit einer Szene, in der ein Junge (Name Mohamed Ali) schildert, dass er nur vor der Nacht Angst habe, wenn schlimme Träume kommen.
Der Vater erklärt in dem Interview, dass sein Junge bei der Waffenausbildung von den Huthi an der Hand verletzt wurde.
Die Aufständischen Huthi hätten seinen Jungen zwangsrekrutiert und einer Hirnwäsche unterzogen.
Dann erzählt wieder der Junge ins Mikro von Uli Gack, dass ihm die Huthi ein Maschinengewehr in die Hand gedrückt hätten, dann unter Drogen gesetzt hätten
und ihn dann gezwungen hätten, anzugreifen. Dann erzählen im Filmbeitrag weitere Kinder Herrn Gack, dass sie entweder von den Huthi gezwungen wurden, oder freiwillig
zu den Waffen gegriffen hätten. Dann zeigt Uli Gack im Film ein "Therapiezentrum", dass von Saudi-Arabien finanziert wird, wo traumatisierte Kindersoldaten
behandelt werden.
 
Mit keinem einzigen Wort wird in dem Beitrag erwähnt, dass gerade vor ein paar Tagen das SOS-Kinderdorf scharf kritisierte, dass Saudi-Arabien Kindersoldaten
aus dem Sudan zwangsrekrutiert. Diese Kinder werden im Auftrag der Regierung im Sudan entführt odergekauft und dann in den Jemen gebracht.
Dies war sowohl eine offizielle Pressemitteilung, als auch eine Mitteilung von der internationalen Hilfsorganisation des SOS Kinderdorfes selbst.
 
16.1.2019
 
 
 
Die New York Times berichtete bereits am 28.12.2018 darüber
 
 
Uli Gack erwähnt nicht, dass Saudi-Arabien sudanesische Kinder zwangsrekrutiert, im Gegenteil, er stellt Saudi-Arabien, die
seit 2015 den Jemen gandenlos zerbomben und laut UN den Jemen zur "schlimmsten humanitären Krise unserer Zeit" gemacht haben, in seinem Beitrag als die
Guten dar, die für traumatisierte Kindersoldaten sogar noch Therpieeinrichtungen finanzieren. Das ist an Doppelmoral und Heuchlei nicht mehr zu überbieten
und stellt die Tatsachen auf den Kopf.
 
Aus dem SOS-Kinderdorf-Bericht:
 
"Die saudi-arabische Armee setzt nach Angaben der SOS-Kinderdörfer weltweit Jungen und Mädchen aus dem Sudan im Jemen als Kindersoldaten ein. "Sie werden als Soldaten an die Front in einem fremden Land geschickt, viele sind bereits gestorben", sagt Abdelrahman Mubarak, Leiter der Hilfsorganisation im Sudan.
 
Laut der SOS-Kinderdörfer werden die Kinder erst von der sudanesischen paramilitärischen Gruppe RSF (Rapid Sudanese Forces) im Auftrag der Regierung rekrutiert und dann von Saudi-Arabien im Bürgerkrieg im Jemen eingesetzt. "Die Familien der Kinder kommen alle aus der Darfur-Region und leben in bitterer Armut, da sind die Eltern leicht zu ködern", sagt Mubarak. "Ihnen wird viel Geld versprochen, damit sie ihre Kinder als Soldaten verkaufen." Etliche Kinder und Jugendliche seien zudem von der der RSF gekidnappt worden und hätten bereits im sudanesischen Bürgerkrieg gekämpft.

Im Jemen erwarte die sudanesischen Kinder und Jugendlichen eine grausame Realität. "Es ist kein Geheimnis, dass vor allem die sudanesischen Soldaten an vorderster Front eingesetzt werden", sagt Mubarak. Von den Kämpfern aus Saudi-Arabien würden sie beschimpft und oft nicht einmal bezahlt.

Nach Angaben der Hilfsorganisation starben seit 2014 in dem Bürgerkrieg mehr als 2000 sudanesische Kämpfer, darunter viele Kinder. Damit stürben in dem Konflikt bis zu viermal so viele sudanesische Söldner als Soldaten aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, die auch Teil der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition im Jemen sind." (...)

 
Zwar erwähnt Gack im Beitrag ":Laut der UN sind Kindersoldaten im Jemen bei fast allen Konfliktparteien im Einsatz. Die meisten so der Bericht, für aufständische Huthi." Doch dieser UN-Bericht satmmt aus dem Jahr 2017. Damals war noch unbekannt, dass Saudi-Arabien sogar Kinder aus dem Sudan für den Krieg zwangsrekrutiert.
 
Fazit:
 
In dem von mir kritisierten Filmbeitrag geht es um Kindersoldaten der Huthis. Nach neueren Erkenntnissen gibt es jedoch Belege dafür, dass Saudi-Arabien in großem Stil Kindersoldaten
aus dem Sudan im Jemen einsetzt, wie ich anhand der Quellen aufgezeigt habe. Diese wurden den notleidenen sudanesischen Familien entweder abgekauft, oder sie wurden
aus dem Sudan entführt. Dies wird vom Korrespondenten Gack mit keinem einzigen Wort erwähnt, obwohl es Pressemitteilungen dazu gab. Der gesamte Filmbeitrag wird
aber in dem Moment vollkommen absurd, bar jeder journalistischer Grundsätze, als Gack ausgerechnet Saudi-Arabien als Finanzier von Therapiezentren im Jemen von kriegstraumatisierten, von den Huthis eingesetzten Kindersoldaten im Beitrag aufzeigt. Dank Gack und der ZDF-Heute-Redaktion hat die Mörderbande aus Saudi-Arabien am
20.1.2019 einen großen PR-Coup gelandet, der sicherlich nicht von der Großmacht im Nahen Osten, sondern von den deutschen Gebührenzahlern finanziert wurde.
 
Der von mir kritiserte Beitrag verstößt gegen folgende ZDF-Programmrichtlinien:

§ 6 Berichterstattung

(1) Die Berichterstattung soll umfassend, wahrheitsgetreu und sachlich sein. Herkunft und Inhalt der zur Veröffentlichung bestimmten Berichte sind sorgfältig zu prüfen.

Programmrichtlinien des ZDF

I. (5) Die Berichterstattung muss von vorbehaltlosem Willen zur Wahrhaftigkeit und Sachlichkeit bestimmt sein. Zweifel an der Zuverlässigkeit einer Nachricht sind zum Ausdruck zu bringen.

III. (4) Die Informationssendungen und -angebote müssen durch Darstellung der wesentlichen Materialien der eigenen Meinungsbildung dienen. Sie dürfen dabei nicht durch Weglassen wichtiger Tatsachen, durch Verfälschung oder durch Suggestivmethoden die persönliche Entscheidung zu bestimmen versuchen.
 
Bitte bestätigen Sie mir den Eingang meiner Programmbeschwerde innerhalb der nächsten sieben Tage.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Bernhard Moser
Mittlerer Lech 16
86150 Augsburg

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