Giftgasverschwörung Syrien

Sehr geehrte Damen und Herren des Deutschlandradios-Rundunkrates,
 
ich erhebe Programmbeschwerde gegen folgenden Beitrag:
 
31.8.2018
 
 
Ann-Kathrin Büüsker:
 
(...)
"Russland verstärkt seine Militärpräsenz in Syrien"
(...)
 
Auch die USA haben ihre Militärpräsenz verstärkt.
 
"Die Vereinigten Staaten verstärken nach russischer Darstellung ihre Präsenz im Mittelmeer, was auf einen geplanten Angriff auf syrische Regierungstruppen hindeuten könnte. Russische Nachrichtenagenturen zitierten am Montag Generalmajor Igor Konaschenkow vom Verteidigungsministerium mit der Aussage, der amerikanischen Lenkwaffenzerstörer „Ross“ sei am 25. August ins Mittelmeer eingelaufen. Das Kriegsschiff habe 28 Tomahawk-Marschflugkörper an Bord, die jedes Ziel in Syrien treffen könnten."
(...)
 
 
Büüsker: 
 
(...)
Also wäre es doch besser gewesen, Obama hätte 2013 nach dem Giftgas-Einsatz durch die syrische Regierung, als die von ihm gezogene rote Linie überschritten war, einen Militärschlag angeordnet?
(...)
 
Richtig ist an dieser Aussage: Am 21.8.2018 fand in Ost-Ghouta ein verheerender Giftgasanschlag statt.
Jedoch ist bis heute nicht bewiesen oder belegt, wer dafür verantwortlich war.
Die Untersuchung des Anschlages duch die OPWC wies lediglich nach, dass bei dem Anschlag Sarin verwendet wurde,
benannte dabei jedoch niemanden, wer für die Tat verantwortlich war.
Jedoch behaupteten nach dem Anschlag die US-Regierung und westliche Regierungen und die westlichen Medien bis heute,
dass die syrische Regierung dafür verantwortlich sei.
 
Wenige Monate nach den Angriffen mit dem Nervengift Sarin bei Ghouta 2013 in Syrien veröffentlichten US-Wissenschaftler vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT, eine führende Technische Hochschule und Universität der USA) und den Tesla Laboratories einen Bericht zu der Attacke.
Die beiden Experten – der frühere UN-Waffeninspektor Richard Lloyd und der MIT-Professor Theodore A. Postol – waren eigentlich vor ihrer Untersuchung davon ausgegangen, dass Assads Truppen für die Giftgasattacke verantwortlich waren. Dann fanden sie genau das Gegenteil heraus. 
 
Die syrischen unkonventionellen Chemiewaffenträger, die beim Nervengasangriff vom 21. August in Damaskus benutzt wurden, hatten eine Reichweite von rund zwei Kilometern.
 
Lloyd und Postol fassen die Resultate, zu denen sie gelangten, so zusammen:  "Die syrischen unkonventionellen Chemiewaffenträger, die beim Nervengasangriff vom 21. August in Damaskus benutzt wurden, hatten eine Reichweite von rund zwei Kilometern."
 
- Die unabhängige Bewertung der Reichweite der Chemiewaffenträger durch die Vereinten Nationen steht in genauer Übereinstimmung mit unseren Befunden.
 
- Das besagt, dass diese Geräte nicht vom östlichen Rand des von der syrischen Regierung kontrollierten Gebietes, wie es auf einer Geheimdienstkarte, die vom Weißen Haus am 30. August 2013 veröffentlicht wurde, dargestellt war, nach Ostghuta abgefeuert werden konnten. Die Raketen müssen vielmehr auf einem Gebiet abgeschossen worden sein, das von Rebellen kontrolliert wurde."
 
- Diese falsche Geheimdienstinformation hätte zu einer ungerechtfertigten US-Militäraktion führen können.
 
- Eine genaue Überprüfung der Tatsache, daß die Trägerwaffen solch geringe Reichweite hatten, hätte zu einer komplett anderen Bewertung der Situation auf Grundlage der gesammelten Daten geführt.
 
- Welche Gründe auch immer zu den ungeheuerlichen Fehlern in den Geheimdienstinformationen führten – die Quelle dieser Fehler muß aufgeklärt werden.
 
- Wenn die Quelle dieser Fehler nicht identifiziert wird, werden die Vorgänge, die zu diesem Versagen der Geheimdienste geführt haben, unkorrigiert bleiben, und die Möglichkeiten für ein zukünftiges Politikdesaster werden mit Bestimmheit wachsen.
 
Der mehrfach ausgezeichnete us-amerikanische Investigativjournalist Seymour M. Hersh – Gewinner des Pulitzer-Preises hat in einem Anfang 2014 erschienen Artikel (Whose Sarin?) sowie einem darauffolgenden Bericht aufgezeigt, dass die syrische Regierung höchstwahrscheinlich nicht für den Giftgasanschlag im syrischen Ghouta bei Damaskus verantwortlich war, sondern eher Erdogans türkische Regierung und die radikal-islamistische Al-Nusra-Front, der syrische Arm der Al Kaida.
Hersh hatte bereits das Maasaker der US-Army im vietnamesischen My Lai aufgedeckt und den Skandal um das
US-Foltergefängnis Abu Ghraib im Irak.
 
Auszug:
 
„Barack Obama erzählte diesen Herbst nicht die ganze Geschichte, als er versuchte, Gründe dafür zu liefern, dass Bashar al-Assad für die Chemiewaffenangriffe vom 21. August in der Nähe von Damaskus verantwortlich sei. In einigen Fällen liess er wichtige Geheimdienstinformationen weg, und in anderen präsentierte er Vermutungen als Tatsachen. Und das Wichtigste: Er gab nicht zu, was den US-Geheimdiensten bekannt war: dass die syrische Armee nicht die einzige Partei im syrischen Bürgerkrieg ist, die Zugang zu Sarin hat, dem Nervengas, dessen Verwendung beim Raketenangriff eine Uno-Studie feststellte – ohne dabei die Frage der Verantwortlichkeit zu beurteilen. In den Monaten vor dem Angriff produzierten die amerikanischen Geheimdienste eine Reihe streng geheimer Berichte, die in einem formellen Einsatz-Auftrag [operations order] gipfelten – einem Dokument, mit dem die Durchführung eines Einsatzes geplant wird und das einer Invasion mit Bodentruppen vorausgeht – und das Belege dafür anführte, dass sich die al-Nusra-Front, eine dschihadistische Gruppe, die mit al-Kaida verbunden ist, die Herstellungsweise von Sarin-Gas zu eigen gemacht hatte und in der Lage war, es in grösseren Mengen herzustellen. Als der Angriff stattfand, hätte al-Nusra zu den Verdächtigen gehören müssen, aber die Administration nutzte die Geheimdienstinformationen sehr wählerisch, um einen Schlag gegen Assad zu rechtfertigen."
 
Nachdem der US-Militärgeheimdienst DIA (defense intelligence agency) Obama mitteilte, dass es keine Beweise dafür gab,
dass die syrische Armee für den Giftgaseinsatz verantwortlich war, blies er die Bombardierung Syriens ab.
 
Ein im Internet erschienener Gesprächsmitschnitt deckte auf, dass höchste türkische Regierungsmitglieder, darunter auch der Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan einen Angriff unter Falscher Flagge planten, der die Absicht verfolgte, ein militärisches Eingreifen in Syrien zu provozieren. Seitens der türkischen Regierung wurde versucht, diesen Mitschnitt durch Internetzensur zu unterdrücken. Pierce Nahigyan sah in diesem Umstand eine Erhöhung der Glaubwürdigkeit von Hershs Anschuldigungen und schrieb: „Die Länder sagten, diese Verschwörung von Hersh ist zu schauerlich, um wahr zu sein. Ich bin sicher, Herr Hersh ist daran gewöhnt. Er hört es nun schon seit 1969.“
 
 
Das britische Unterhaus stimmte angesichts fehlender Beweise beriets gegen eine Kriegsbeteiligung Großbritanniens.
 
Büüsker: 
 
"Gucken wir noch mal auf die Situation in Idlib. Die Vereinten Nationen schlagen jetzt humanitäre Korridore vor, um die Menschen überhaupt erst mal rauszuholen, dann in Regierungsgebiet, und wenn Idlib erobert ist, sollen die Menschen zurück. Das klingt in meinen Ohren tatsächlich auch, als wären die Vereinten Nationen inzwischen ein bisschen resigniert."
 
Es gibt bereits humanitäre Korridore, die von der russischen und syrischen Armee eingerichtet wurden.
 
Die in Syrien langzeitakkreditierte Karin Leukefeld berichtet, dass es südlich von Idlib einen humanitären Korridor gibt,
über den jeder der kann die Stadt verläßt.
 
Filmbeitrag über Idlib.
 
 
Min '34 evakuierte Augenzeugin:
 
"Die Militanten hielten uns als Geiseln fest. Im Winter war es kalt im Lager. Im Sommer unerträglich heiß.
Dieser humanitäre Korridor ist unsere Rettung."
 
Min. '54 evakuierter Augenzeuge:
 
"Ich bin aus Idlib. Die Zustände dort sind schrecklich. Die Militanten lassen niemanden gehen.
Wir sind nur mit den Kleidern am Leib entkommen.
 
Weiterhin möchte ich anmerken:
 
Jeder normal vertändige Mensch stellt sich die Frage, was es für Möglichkeiten gibt, um eine verlustreiche
Befreiung von Idlib zu verhindern. Und praktisch jeder wird darauf antworten: Die islamistischen Söldner sollen 
aufgeben. Doch weder von den Vereinten Nationen, noch von den USA, Saudi-Arabien, Katar, der Türkei, Israel,
Frankreich oder Großbritannien kam ein Aufruf, dass die Dschihadisten in Idlib aufgeben sollen.
Das ist sicher bemerkenswert. Die russische und syrische Armee dagegen versuchen es:
 
Hubschrauber kreisen über Idlib und werfen Flugblätter ab, die die Kämpfer zum Einlenken aufrufen: "Der Krieg geht dem Ende zu", ist zu lesen, es sei "Zeit, das Blutvergießen zu beenden". Die Bewohner von Idlib sollten der Versöhnung zustimmen, "wie unser Volk es in anderen Teilen Syriens gemacht hat".
 
In einem fast neunminütigem Beitrag sollte es möglich sein, so eine wichtige und entscheidende Thematik anzusprechen.
Doch dies geschieht m. E. absichtlich nicht, weil Zuhörer dann mehr Verständnis für das mögliche Vorgehen der syrischen und
russischen Armee hätten. Doch dann könnte der Westen Assad nicht erneut als das Monster hinstellen, "das seine
eigene Bevölkerung bombardiert.
 
Den Zuhörern von Deutschlandradio soll laut Rundfunkstaatsvertrag eine umfassende Berichterstattung geboten werden.
Wäre dies beabsichtigt, würden den Rezipienten auch Stimmen der renommierten Syrienkorrespondentin Karin Leukefeld
oder des renommierten Nahost-Experten Prof. Günter Meyer zu Gehör gebracht werden.
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
 
im Schreiben vom 29.8.2018 warf mir der Intendant vor, Verschwörungstheorien über die Ukraine zu verbreiten.
 
Die Behauptung von Ann-Kathrin Büüsker "2013 nach dem Giftgas-Einsatz durch die syrische Regierung"
ist eine Verschwörungstheorie und hat in einem öffentlich-rechtlichen Sender nichts verloren und verstößt gegen den Rundfunkstaatsvertrag.
 
Bitte bestätigen Sie mir den Eingang meiner Programmbeschwerde innerhalb der nächsten 7 Tage.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Bernhard Moser

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